Erich Wilker 1967

zur NADA & KONZEPT PERIODE (Auszüge)

Um die letzt- runden zwanzig Nachkriegsjahre zu beleuchten, muß gesagt sein, daß es wahrscheinlich notwendig gewesen ist, nach dem sogenannten 2. Weltkrieg eine Periode der Restauration einzuleiten. Zwei gedanklich diametral tendierte Gesellschaftsformen stehen sich seitdem Weltlager gegenüber. Die Vor- Kriegs- Probleme, revolutionäre und evolutionäre elementare Entwicklungen, verloren ihre zeitbestimmende Kraft, durch eine militärisch entschiedene Lage. Das Bewußtsein der gesellschaftsbestimmenden Elemente war zu unbedeutend, oder so sehr unopportun, ausrangiert, um der neuen Nach- Kriegs-Welt- Lage ein folgerichtig, philosophisch begründetes Neu- Gesicht, – den beiden großen Mächten – eine neue dritte Macht menschlicher Existenz zu geben oder gegenüber zu stellen. Anstelle besseren Wissens und Wollens neuer Form, pflegte man das Bewußtsein der ausfüllenden Not….

…Betrüben muß heute wieder die Feststellung, daß eine aufgeschreckte Masse Leute meint, wenn nun, heute, argumentiert wird, daß es sich hier jetzt um die Durchsetzung der einen oder anderen alten, bekannten Sache, sprich Gesellschaftsordnung drehe. Was in Zukunft Existenzberechtigung im Sinne gültigen Wissens findet, das ist etwas absolut bestimmend Neues.
Voraussetzung hierzu aber ist die Kenntnis der alten Regeln, die uns diese Weltlage gab. Und hier stehen wir vor dem wahrhaftigen Gespenst der Halb- und Unklarheiten, orthodoxen Praktiken und Massensuggestionen, in einem Gewirr hilflos machender Bewußtseinsgassen, neukleinstaatlicher und fast mittelalterlicher Natur. Inmitten so auch die Kunst, mit einsiedlerischen und flagellanten Tendenzen, hörig, kleinbürgerlich, allürbesessen, makaber im begierigen Fleiß um eine Heiligsprechung dieser dekorativen Unzulänglichkeit….

…Unmittelbar aus der gepflegten Gedankenhaltung und Kunst der Gegenstandslosigkeit heraus, welche schon ganz in dem erwähnten Indifferentismus scheinäugigen Bürgertums wurzelt, schlug und schlägt ein Pendel, teils skurillen Opponierens, Richtung gegen alles oder aber wenigstens laut, Parolen des neunzehnten Jahrhunderts im Munde, welches zumeist die jüngere, westliche Generation erfaßt hat. Es sind das die Fehden und Feldzüge des Pop und Op, des Beat und Hippie, die durchaus interessante Fahnen und naturalisierende Vorzüge haben, ja wahrscheinlich sogar schon ein unbewußter Vorgriff neuen Variierens kommender Zeiten sein mag. Es ist dieses eine Tendenz der Artikulation, psychisch- physisch bedingt, emotionell und vorwiegend pubertent. Es spricht viel, sagt aber nahezu nichts. Was absolut nicht das Letztschlechteste sein muß.

Wenn nun NADA einer neuen Sache Ausdruck geben soll, so geht diese Kunst einige viele Schritte zurück, was kein Rückschritt ist. (Aha: jetzt macht man das auch schon wieder). NADA = nach der Abstraktion, könnte der solide Aufbau unseres letzten verantwortlichen Denkens überhaupt sein.